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Leserbriefe zum orange7-Bericht
“Guten Appetit”

Auf unseren Artikel „Guten Apettit“ in der aktuellen Ausgabe des Magazins oange7 haben wir einige Leserbriefe erhalten, die wir an dieser Stelle gerne veröffentlichen.

Leserbrief 1:
Sehr geehrte orange7-Redaktion,

mein Name ist Ralf Laures, bin 32 Jahre alt, Junglandwirt und bewirtschafte mit meiner Frau und meinen Eltern einen intensiven Milch/Zuchtviehbetrieb mit Ackerbau und Lohnarbeit.  Meine Frau und ich haben jeweils den landwirtschaftlichen Techniker mit Ausbilderschein und sämtlichen Qualifikationen (Eigenbestandsbesamer/Homoöpathiekurse/Prüfer im Prüfungsauschuss /LKW Führerschein….)absolviert. Dies sind 3 Jahre Berufsausbildung, 2 Semester zum landwirtschaftlichen Wirtschafter und 2 Semester zum landwirtschaftlichen Techniker mit Fremdsprache. Neben jährlich 1,6 Millionen kg Milch produzieren wir Rindfleisch Zuchtvieh, Mais und Back Weizen. Unsere modernen Maschinen setzten wir auch überbetrieblich ein. Seit unserer Kindheit brennen wir für Kühe, Maschinen und Landwirtschaft. Als Betriebsleiter müssen wir uns ununterbrochen dem Wettbewerb, den politischen, ethischen und moralischen Anforderung stellen und versuchen allem irgendwie gerecht zu werden. Doch nun möchte ich Ihnen mehrere Beispiele aus unserem Alltag mit politischen Entscheidungen, der Industrie, den Tierschützern und den Verbrauchern schildern.
Im Jahre 2015 wurde durch einen politische und industriegestützte Entscheidung die Milchquote abgeschafft. Die ganze Welt würde aufgrund höchster Qualität und Kontrollen nach deutschen Lebensmitteln schreien. Weiter schaffe dies Arbeitsplätze in Industrie, Handel und in der Landwirtschaft selber. Wir sollen einfach produzieren! Die meisten versuchten auch durch Mehrproduktion ihr fortbestehen zu sichern und verschuldeten sich hoch. Letztendlich sank der Auszahlungspreis zu gunsten der Industrie weiter. Durch ein tieferes Preisniveau konnten die Molkereien neue Märkte erschliessen und ihre Gewinne durch Marge sichern. Der Landwirt entwickelte sich mehr und mehr zum Sündenbock, da mehr Gülle und ein noch höherer Wettbewerbsdruck enstand. Nun erhebt genau die Politik den Vorwurf das wir zu viel Gülle produzieren und entwickelt ständig neue Auflagen , sodass wir wieder mehr Fläche benötigen und uns gegenseitig den Strick zudrehen.
Vor kurzem lud ich unseren GPS gesteuerten Wiegemineraldüngerstreuer mit Stickstoffdünger für unseren Backweizen. Darauf hin kam ein Feriengast und sprach mich an, was ich denn da schon wieder streuen würde. Ich erklärte ihm das ich die 3 Düngung (Qualitätsgabe) vollziehen würde, da gerade beim Backweizen die höchsten Qualitätsansprüche in Form von Eiweißgehalt und Pilzbefall(DON Wert) gelten würden. Das bedeutet mehr Dünger und mehr Pflanzenschutz(3 Behandlungen) wären nötig um dies zu gewähleisten und unser Produkt überhaupt an die Bäckereien und Mühlen kostendeckend loszuwerden. Nun stellte sich der Feriengast vor und verriet das er Bäcker in Leverkusen sei und so noch nie über die Sache nachgedacht habe und entschuldigte sich. Ihm fiel sogar auf, das dem Landwirt immer der schwarze Peter zugesteckt wird, obwohl er sich ja nur den Anforderungen vom Markt und den Verbrauchern stellen würde! Dankbar war ich für sein Kombinationsvermögen!
Zum Thema Tierquälerei sprach mich eine Pferdeheukundin an und meinte ob ich die katastrophalen Bilder aus den Schlachthöfen und Kuhställen gesehen hätte. Ich stimmte ihr zu das nicht alles gut war und fragte sie aber zugleich, wie sie mit einer Kuh im Stall umgehen würde, die sich schrecklicherweise etwas gebrochen hat, aber noch 300 kg bestes Fleisch liefern könnte. Hofschlachtungen sind verboten und solche Tiere dürfen nicht Transportiert werden. Und mit 2 Personen können wir eine 650 kg Kuh nicht wie einen Menschen aus dem Stall heraus heben. Dies geht nur mit Maschinen was schrecklich aussieht aber dennoch schonend vonstatten gehen kann. Und bei 300 kg gesundem Fleisch würde sich mein Opa noch im Grab rumdrehen wenn dieses Tier eingeschläfert wird, was wir aber tun müssten! Kosten 100 Euro und das Fleisch wird verbrannt. So versucht man dieses Tier vielleicht doch schonend zum Schlachter zu bringen, um finanziell auch über die Runden zu kommen. Wenn dieses Tier dann ausgeladen wird und humpelt ist das für mich genauso schrecklich aber wir Landwirte sind wieder die Tierquäler. Soviel zum Hunger in der Welt.
Was ich Ihnen letztendlich sagen will, es gibt nicht nur Schwarz oder Weiß, anders als Ihr Bericht! Wenn sie Obst mit Glyphosat spritzen würden , gäbe es kein Obst, da Glyphosat ein Totalherbizid ist und alle Pflanzen ausser gentechnisch veränderte Soja umbringt! Die Lebensmittel sind so gut wie nie und die Menschen werden immer älter.
Wo der Mensch am Werk ist, fallen leider auch Spähne, genauso kann ich als Landwirt nicht behaupten wenn ich 1000m³ Gülle ausbringe und es gibt einen Wolkenbruch dass absolut nichts abgeschwemmt wurde. Für Gülleausbringung soll keine Sonne scheinen, der Wind darf nicht zu stark sein und muss richtig stehen (Anwohner), der Boden soll Feucht sein und es sollte nieseln aber nicht regnen. Sagen sie mir wie ich es machen soll!? Interessanter Weise sind gerade die Nitratwerte in Stadtnähe mit am höchsten. Komig, wo es dort so gut wie keine Landwirte gibt! Ein Mann aus unsrem Ort sagte auf einer Feierlichkeit zu mir, wir Landwirte würden die Umwelt verpessten, wobei genau er jeden Tag mit einem großen Sprinter nach Luxemburg arbeiten fährt, sowie zweimal jährlich in Urlaub fliegt und mit dem Auto zum 100 m entfernten Zigarettenautomat fährt! Glückwunsch Herr Umweltschützer!
Bio ist keine Lösung, da Biokühe durch geringere Leistung eine schlechtere CO2 Bilanz haben als Konventionelle. Weiter Gibt es viel zu wenig Fläche für die Bevölkerung zu ernähren, da Biokulturen nur halbe Erträge bringen. In Biogetreide will keiner den Pilzgehalt aus gutem Grund wissen. Weiter steigen Verunkrautung und der Dieselverbrauch pro Hektar und erzeugtem Produkt. Weiter sind die Lebensmittel zu teuer oder Rentner, Hartz 4 Empfänger, Flüchtlinge oder ein großteil der Bevölkerung müsste mehr bekommen oder verdienen.
Dies ist nur ein Bruchteil was ich erzählen oder diskutieren könnte. Insgeheim merke ich das die Landwirtschaft hier in Deutschland weiter in den Ruin getrieben wird und wir uns auch noch von weit transportierten und mit wenig Auflagen produzierten Lebensmittelimporten abhängig machen. Da kann ich nur Sagen “Guten Apettit”!

mfg Ralf Laures

Leserbrief 2:

Liebe orange7-Redaktion,

orange7 lese ich eigentlich sehr gerne, da man Informationen über die heimatliche Region bekommt.
Nun bringen Sie in den beiden letzten Ausgaben Mai-Juni und Juli-August 2019 aktuelle Umweltthemen zur Sprache. Insbesondere finde ich die Befragung der Menschen aus der Eifel gut, da dies die Einstellung des modernen Menschen in der Eifel wiedergibt. Soweit so gut.
Doch nun zu dem, was mir an Ihrer Darstellung nicht gefällt.
Die Titelbilder der o.g. Ausgaben werden ohne Quellenangabe dargestellt. Ist dies heute nicht mehr üblich? In seriösen Zeitungen sollte dies Standard sein.
In den nun folgenden Ausführungen beziehe ich mich nur noch auf die Ausgabe Juli-August 2019.
„Guten Appetit“ passt zu dem auf einem Teller präsentierten Apfel. Ohne die fehlplatzierten Sticker wäre die Botschaft in Ordnung gewesen. Apfel als Vertreter des gesamten Obstes im deutschen Anbau hat nun absolut gar nichts mit Gülle zu tun. Glyphosat ist ein Herbizid, wie inzwischen jeder weiß. Und genau dieses Herbizid wird im Obstbau mengenmäßig am wenigsten eingesetzt im Vergleich zu anderen landwirtschaftlichen Kulturen. Konventionell, integriert bewirtschaftete Obstplantagen weisen nachweislich ein Höchstmaß an Biodiversität aus; mehr sogar als biologisch bewirtschaftete Obstanlagen. Nehmen Sie dazu die Untersuchungen der TH Bingen, die in mehreren Projekten diese Erkenntnis gewonnen haben. Z.B. https://www.th-bingen.de/forschung/projekte/…/projekt/…/biodiversitaet-im-obstbau/
„Sonstige Pestizide“. O.k. inzwischen verstehen die meisten Deutschen, was dieses Wort bedeutet.
Vom Ursprung her aber ist es ein englisches Wort. Die korrekte Übersetzung ins Deutsche lautet Pflanzenschutzmittel. Man spricht auch von denglisch, wenn englische Wörter einfach in den deutschen Sprachgebrauch übernommen werde. Wie Sie sicherlich wissen, bedeutet das englische Wort pest ins Deutsche übersetzt einfach nur Krankheit. Adäquat müssten wir auch unsere Medikamente als Pestizide bezeichnen. Warum tut dies kein Mensch? Es macht keinen Sinn.
Genauso ist es auch mit den Pflanzenschutzmitteln. Hier haben aber bestimmte interessensgruppen gefunden, dass auch das deutsche Wort Pest existiert, mit einem völlig anderen Sinn. Pest war und ist etwas, vor dem man Angst haben muss. Im schlimmsten Fall führt die Pest zum Tod! Sie Frau Schumacher und alle, die dieses Wort missbräuchlich verwenden suggerieren also, dass „Pestizide“ zum Tod führen können. In Wirklichkeit geht es als um Medikamente/Pflanzenschutzmittel, die dazu dienen Krankheiten zu bekämpfen. Im Fall der landwirtschaftlichen Produktion von Lebensmitteln geht es darüber hinaus auch um produktionssteigernde Pflanzenschutzmittel (hierzu zählen auch die Herbizide). Dass es solche Präparate gibt, hat verschiedene Gründe, die nicht der Umweltzerstörung dienen, sondern um beispielsweise die Ernährung der Bevölkerung sicher zu stellen. Diese Fragen können wir gerne an anderer Stelle diskutieren. Hier würde es zu weit führen.

Der Sinn von Pflanzenschutzmitteln war und ist immer noch gesunde Lebensmittel zu produzieren.
Insbesondere Pilzkrankheiten, die unsere Kulturen befallen produzieren Gifte, die dem Menschen schaden und im Extremfall zum Tod führen können. Wer will an dieser Stelle behaupten, dass es falsch war, Bekämpfungsmittel gegen diese Krankheiten zu entwickeln und einzusetzen. Wer natürlich auf dem Standpunkt steht, dass unser Planet per se überbevölkert sei, der sollte weiter gegen die Entwicklung und den Einsatz von Medikamenten und Pflanzenschutzmitteln arbeiten. Und an dieser Stelle hier stehen wir tatsächlich vor der Frage, was ist das tatsächliche Problem auf unserer Erde? Es ist der Mensch selber. Die Überbevölkerung und der technische und kulturelle Fortschritt, der uns Deutschen und anderen Menschen entwickelter Industriestaaten Wohlstand beschert hat. Nun gut, auch diese Ausführungen möchte ich an dieser Stelle nicht weiter ausführen.
Ich gehe aber davon aus, wenn Sie es nicht schon wussten, dass Sie auf der Titelseite und im Editorial und in Ihren Kommentaren zu den Interviews ein extrem falsches Bild gezeichnet haben. Nicht die Landwirtschaft, sondern eine ganze Reihe anderer Dinge im Leben der Deutschen und anderer Bürger dieser Erde führen zu Krankheiten und letztlich zum Tod. Hinterfragen Sie die Krankheits- und Todesursachen allein in Deutschland. Sie werden bei Lebensmitteln im Zusammenhang mit Pflanzenschutzmitteln wenige oder gar keine Fälle finden. Hingegen ist eine falsche Ernährungsweise, für die jeder selbst verantwortlich ist, ein weitaus häufigerer Grund für Erkrankungen oder Schlimmeres. Sie sollten lieber versuchen, die Menschen zu einer vernünftigeren Ernährung bringen statt Verunsicherung verbreiten. Es ist viel schlimmer auf Obst und Gemüse zu verzichten, als einige Rückstände von Wirkstoffen mit der Nahrung aufzunehmen, die mit dem Sicherheitsfaktor 100 von den Zulassungsbehörden belegt werden. Doch wen interessiert das schon? Was bedeutet dieser Sicherheitsfaktor 100? In die Regeln des sicheren Autoverkehrs übertagen würde man einen Abstand zum voranfahrenden Auto von mehr als einem Kilometer fordern, damit kein Auffahrunfall passiert.
Bei dieser Regel im Autoverkehr würde jeder fragen, was soll dieser Unsinn?
Nun, mir scheint, dass Sie entweder schlecht recherchiert haben, oder unwissentlich zum Menschenfeind geworden sind. Oder sind Sie nun auch im postfaktischen Zeitalter angekommen und folgen nur noch allgemeinen Meinungen. Schlimm genug, dass die Politik allzu gerne auf diesen Wegen unterwegs ist. Ich appelliere an Sie, ordentlich zu recherchieren und Tatsachen zu berichten.
Sie sollten sich nicht vor den Karren der NGOs spannen lassen, es sei denn Sie zählen sich selbst dazu. Abschließend noch eine Definition von Landwirtschaft, wie sie von Landwirten sarkastisch formuliert
wurde.
„Landwirtschaft ist die Kunst Geld zu verdienen, während man 400 Stunden pro Monat arbeitet, um Menschen zu ernähren, die denken, dass man sie vergiften will.“
Ist das nicht frustrierend.
Stellen Sie sich vor, wenn es in Deutschland keine Landwirtschaft mehr gibt, weil wir aus verschiedenen Gründen keinen jungen Mann oder Frau mehr finden, der bereit ist, unter den geforderten Bedingungen zu arbeiten, während andere in der 35 bis 40 Stundenwoche locker einen angenehmen Lebensstandard sich erlauben können. Lebensmittel können wir dann aus anderen Ländern und Kontinenten importieren. „Sollen diese dann ihre Umwelt verpesten!“ Hauptsache uns geht es gut.
Ich wünsche und hoffe, dass Sie als junge Journalistin entwicklungsfähig sind und in der Lage sind
bessere Themen aufzugreifen und zu thematisieren.

Manfred Hellmann

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