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Rückgang der Jugendkriminalität im Eifelkreis

Untersuchung zu Jugendstraftaten von 1995 bis 2019 vorgelegt

Die gute Nachricht vorweg: Die Jugendkriminalität im Eifelkreis ist über einen Zeitraum von 25 Jahren deutlich zurückgegangen. Wurden zwischenzeitlich mehr als 400 abgeschlossene Jugendstrafverfahren jährlich registriert, waren es in 2019 noch 216.

Diplom-Sozialarbeiter Hans-Werner Nehren ist Jugendgerichtshelfer beim Jugendamt der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm. Seine langjährigen Beobachtungen hat er nun in einer Studie dokumentiert. Hierzu hat der Autor 8730 Jugendstrafverfahren im Zeitraum 1995 bis 2019 ausgewertet und Trends herausgearbeitet: „In der Vergangenheit gab es im Eifelkreis gravierende Jugendstrafverfahren zu bearbeiten, wie Tötungsdelikte oder Banküberfälle; heute treten überwiegend kleinere Tatbestände in Erscheinung. Unverändert sind die Gründe für die beiden häufigsten Vergehen – nämlich Diebstahl und Verkehrsvergehen, wie Trunkenheit am Steuer, Fahren ohne Führerschein oder Unfallflucht. Gewalttaten haben abgenommen; dagegen werden heute mehr Betäubungsmitteldelikte als früher festgestellt.

Die Untersuchung begründet Besonderheiten der Jugendkriminalität im Eifelkreis: „In 2001 kam es zu vielen Drogenverfahren, insbesondere von damals 16 bis 20-jährigen Spätaussiedlern. Viele junge Leute kamen damals im Jugendalter, von ihrer Heimat entwurzelt, nach Deutschland. Sie ließen sich in unserer ländlichen Region nur schwer integrieren und zogen sich auf ihre eigene Szene zurück. Eine Problematik in dieser Form besteht heute nicht mehr. Man schaut seit Jahren auf die Zahl junger Flüchtlinge und stellt fest: Diese Personengruppe tritt strafrechtlich selten in Erscheinung.“

Hans-Werner Nehren hat ebenfalls die strafrechtlichen Konsequenzen bei Jugendverfehlungen untersucht und festgestellt, dass die Zahl der Verurteilungen, wie Arbeitsauflagen, Geldstrafen oder soziale Trainingskurse abgenommen hat. Freiheitsstrafen, ob mit oder ohne Bewährung, mussten seit 2017 nicht mehr ausgesprochen werden. Mitverantwortlich für den Rückgang sieht Nehren die demografische Entwicklung, aber auch die Präventionsarbeit im sehr guten Dialog mit den Schulen.

Der Eifelkreis unterhält seit fast 50 Jahren einen Fachdienst „Jugendgerichtshilfe“. Hierbei werden pädagogische, psychologische und soziale Aspekte in ein Jugendstrafverfahren eingebracht; es werden Beratungen in Erziehungsfragen sowie in schulischen und beruflichen Problemen angeboten und Hilfen nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz eingeleitet. Den jugendlichen Straftätern wird die Möglichkeit gegeben, durch das Zusammenwirken zwischen Justiz und Jugendgerichtshilfe weniger durch Strafe, sondern durch den Erziehungsgedanken wieder den rechten Weg zu finden. Hans-Werner Nehren: „Eine gute Vernetzung aller Beteiligten ist das Fundament einer erfolgreichen Arbeit mit delinquenten Jugendlichen und Heranwachsenden“.

Landrat Dr. Streit bedankte sich bei Herrn Nehren für die akribische und keineswegs selbstverständliche Dokumentation über fast 25 Jahre, die zeigt, wie eng die Entwicklung der Jugendkriminalität mit der gesellschaftlichen und politischen Entwicklung nach der Deutschen Einheit  zusammenhängt. Die Arbeit macht aber auch deutlich, so der Landrat, “wie gut die Beschlüsse des Jugendhilfeausschuss und die vielfältigen Aktivitäten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jugendamtes wirken“.

Die gesamte Studie ist im Internet unter www.bitburg-pruem.de/cms/interessantes veröffentlicht.

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